Sonntag, Juni 07, 2009

Als ob die Welt kurz stehen bleibt - man reiche mir Stift und Papier...


Ich sitze hier in meiner Ferienwohnung, mitten im tiefsten Sauerland.

Um mich herum nichts als Wald, Bäume, Felder, Wiesen, paar Kühe hier, paar Pferde dort und vor meinem Fenster tanzen die Regentropfen.

Es riecht irgendwie nach Herbst, obwohl es fast Sommer ist.

Für einen Moment habe ich das Gefühl, das die Welt anhält, damit ich durchatmen kann.

Ich genieße den Duft. Ich spüre den Regen auf meiner Haut. Es ist still, nur ein Esel vom Nachbarhof schreit sein Konzert in die Natur.

Was er wohl mitzuteilen hat?

Es ist, als ob ich in einer ganz andere Welt wäre.

Kein Telefon, kein Internet, der Fernseher schweigt auch.

Kein Straßenlärm, keine Straßenbahn, keine Menschen.

Ich genieße die Ruhe, atme durch, liege rum und beobachte vorbeiziehende Wolken und bin ganz allein mit mir und meinen Gedanken.

Ich merke, wie die Ruhe immer wieder in meinen Ohren dröhnt, es fällt mir schwer, mich an NICHTS zu gewöhnen, probiere die ersten Tage, ob mein W-Lan nicht irgendein Netz entdeckt. Nichts. Keine Emails, kein Myspace, kein Internet.

Wie befreiend. Ich kann eins werden mit der Natur, falle nicht wirklich auf, da ich auf leisen Sohlen durch den Wald laufe, kaum eine Spur hinterlasse. Mit etwas Glück treffe ich Stundenlang keine Menschenseele und es ist SO einsam, das ich fast Angst bekomme, tatsächlich in einer anderen Welt zu sein.

Als ich gestern in der nächsten kleinen Stadt war, um beim Bäcker einzukaufen, war ich fast erschlagen. Autos, Menschen, halbwegs belebte Straßen. Ich freue mich, jetzt wieder in der Stille zu sein, reiße mich zusammen, das Radio aus zu lassen.

Wie Lärm-verwöhnt ich doch bin. Habe den ganzen Tag Rund-um-die-Uhr Beschallung, Kontakt zu anderen Menschen, mein Handy brennt in meiner Tasche, die Zeitung liegt auf dem Tisch.

Ich überlege mir, ob ein einsames Leben im Wald wünschens- und erstrebendwert wäre?

Am Ende stelle ich fest, das ich durch und durch zivilisiert bin, schalte das Radio an, versuche erneut ein Netz zu finden (ohne Erfolg) und schalte mein Handy wieder ein. Allein die Tatsache, dass ich mit Laptop in Urlaub fahre, spricht für sich…

Die Welt hat sich weitergedreht und ich will mich mitdrehen…